Sinfoniekonzert vom 05./06. Februar 2011
Thuner Tagblatt 08.02.2011
Dubach und AOG setzten Glanzlichter
Spiez: Das Thuner Stadtorchester und der Geiger Alexandre Dubach präsentierten im Lötschbergsaal Spiez eine Glanzleistung. Mit Arnold, Bruch und Mendelssohn stand Schottland im Zentrum ihres Konzerts.
Wirbelnde Rhythmik, traditionelle Melodien aus Schottland und kleine stimmungsvolle Tondichtungen: Das waren die Ingredienzen, mit welchen das Thuner Stadtorchester am Wochenende sein aussergewöhnliches Konzert im Spiezer Lötschbergsaal begann. Mit melodischer Frische stimmte das Orchester in «Vier Schottische Tänze» des Briten Malcom Arnold ein. Spannungsvoll wirkten die Wechsel zwischen stürmisch-temperamentvollem Tutti, dem parodistischen Fagottsolo und dem verträumten Klang leerer Streichinstrumentensaiten, angeführt von Konzertmeister Maurice Dentan.
Die jeweils 500 Besucher erlebten am Samstag und Sonntag im fast ausverkauften Saal ein Orchester in Hochform, das unter der umsichtigen Führung von Laurent Gendre rhythmisch und dynamische Präzision verband.
Ohne Nebengeräusche
Glanzleistungen vollbrachten das Orchester und der Thuner Geiger Alexandre Dubach in der «Schottischen Fantasie», Es-Dur, op. 46 von Max Bruch. Die Fantasie entstand anlässlich Bruchs Aufenthalts in Liverpool. Von 1878 bis 1883 leitete er die Philharmonic Society.
Des Komponisten Vorliebe für Folklore kam in Spiez eindrücklich zu Gehör. Farbig gestalteten Solist, Harfe und Orchester die Weise eines alten Barden, Liebeslieder und Kriegsgesänge in reizvoller romantischer Darbietung. Virtuos-lebendige, sanfte und energische Ausbrüche liessen aufhorchen. Solist und Dirigent spielten mit wachen Sichtkontakten. Das Orchester folgte den Zeichen seines Maestros. Es fühlte sich wie in einem Heldengedicht mit dem Geiger als Dichter – so nahm man es jedenfalls von aussen wahr. Konzentriert lauschte das Publikum dem phänomenalen, begeisternden Zusammenspiel. Kein Husten war im Publikum hörbar, keine Lampe surrte.
Umso kräftiger war der Applaus, der nach einer Zugabe verlangte: «Es ist eines der romantischsten, poetischsten Werke, die ich kenne, und es wird selten aufgeführt. Das Orchester ist so lieb, mit mir das Finale nochmals zu spielen», teilte Alexandre Dubach mit.
Unter den Zuhörenden lauschte der Geiger Hans-Heinz Schneeberger mit, der ebenso vom Solisten und von dem hauptsächlich aus Laienmusikern zusammengesetzten Orchester begeistert war. Das Stadtorchester, das sich in Hochform präsentierte, setzte mit Felix Mendelssohns «Schottischer» Sinfonie Nr. 3 a-Moll, charaktervoll in Details ausgearbeitet, einen krönenden Abschluss.
Man spürte sozusagen, wie sich die Musizierenden von den wilden, fantastischen Klippen der schottischen Küstenlinien und Landschaftsbeschreibungen mit unterschiedlichen Farben und Emotionen inspirieren und tragen liessen.
Heidy Mumenthaler
Das Orchester fühlte sich wie in einem Heldengedicht mit dem Geiger Alexandre Dubach als Dichter.

